Case Study: Ein Community-Portal für Fotografen

Neue Rechtsfragen haben sich nicht nur aus den technischen Aspekten des Internets ergeben, sondern auch aus den neuen Kommunikationsformen der Nutzer. Vieles, was unter das Schlagwort „Web 2.0“ gefasst wird, zeigt den Wunsch der Nutzer, Teil einer Webcommunity zum Austausch gemeinsamer Interessen zu sein. Ein typisches Beispiel sind unsere Mandanten, die ein Community-Portal für Fotografen aufgebaut haben. Hier können Interessierte ihre Werke veröffentlichen, andere Fotos bewerten und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Die zunehmende Zahl an Fotos sowie der damit verbundene Aufwand für die Qualitätskontrolle und die technische Infrastruktur führte zu einer Professionalisierung der Plattform.

Mit dem wachsenden Erfolg und der gestiegenen wirtschaftlichen Bedeutung rückte die Plattform auch in den rechtlichen Fokus, so dass sich die Betreiber der Plattform mit der Bitte um Erstellung von Nutzungsbedingungen an uns wandten. Diese sollten auch die Lizenzierung an interessierte Nutzer abdecken. Nahezu zeitgleich ging bei unseren Mandanten eine Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung ein, weil eines der veröffentlichten Fotos die Innenarchitektur eines Gebäudes zeigte. Dies gab den Anlass, um mit den Mandanten den Bedarf für die rechtssichere Gestaltung der gesamten Foto-Community zu prüfen. Daraus ergab sich eine Unterstützung der Mandanten in den folgenden Bereichen:

  • Eine Datenschutzerklärung enthält die gesetzlichen Pflichtinformationen aus dem Telemediengesetz sowie die erforderliche Einwilligung für die anfallende Verarbeitung persönlicher Daten der Mitglieder.
  • Entsprechend dem Wunsch der Mandanten wurde ein Lizenzmodell entworfen, das die direkte Lizenzierung von Fotos an interessierte Nutzer ermöglichte, ohne dass die Plattform-Betreiber selbst als Lizenzgeber auftreten müssen. Teil dieses Modells ist auch die finanzielle Beteiligung der Mandanten an den Umsätzen auf der Plattform.
  • Sowohl den Mandanten als auch den Nutzern der Plattform musste verständlich gemacht werden, in welchen Bereichen besondere Aufmerksamkeit zur Vermeidung von Rechtsverletzungen erforderlich ist. So sind Personenaufnahmen regelmäßig nur mit Einwilligung der abgebildeten Person gestattet, um Verletzungen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts zu vermeiden. Auch Fotografien von urheberrechtlich geschützten Werken sind oftmals nur mit entsprechender Zustimmung des Rechteinhabers gestattet, da mit der Veröffentlichung des Fotos immer auch eine Nutzung des abgebildeten Werks einhergeht. Gerade Architekturfotos und Bilder von Werken der bildenden Kunst sind hiervon betroffen. Unsere Aufgabe war nicht nur der Wissensaufbau bei den Betreibern der Plattform, sondern auch die Gestaltung von leicht verständlichen Texten für die Nutzer, damit schon beim Upload auf mögliche Problemfelder hingewiesen wird.

Unsere Beratung endete jedoch nicht mit der Erstellung der erforderlichen Texte und der Verteidigung in einem urheberrechtlichen Verletzungsverfahren. Die dynamische Entwicklung der Rechtsprechung im Bereich der Haftung von Betreibern von Community-Portalen, Foren und Blogs für rechtswidrige Beiträge, die Dritte eingestellt haben, machte eine kontinuierliche Überprüfung des bisherigen Modells und deren Anpassung notwendig. Gerade die Störerhaftung und die Frage, wann sich der Betreiber einer Community-Platform die Inhalte der Nutzer zu eigen macht, wird uneinheitlich beurteilt und sorgt für praktische Probleme in der Rechtsanwendung. Erst durch die Reaktion auf aktuelle Rechtsprechung kann eine nachhaltige Rechtssicherheit in einem schwierigen rechtlichen Umfeld erreicht werden, die das weitere Wachstum der Foto-Plattform ermöglicht.